Struktur vor geil – ein Blogparadenbeitrag

Geh mir wech mit geilem Content! Man sehe es mir nach, ich war über Pfingsten im Pott. Dialekt bleibt bei mir immer etwas hängen.

Normalerweise lasse ich von Blogparaden die Hände weg respektive die Tastatur unangetastet. Beruflich, meine ich. Dieses Mal nicht, es hat mich verlockt. Denn der Mirko Lange fragt in seiner Blogparade: „Geiler Content – aber wie geht das?“. Und zwar nicht, wie ich zuerst beim Titel dachte – bei den Profis. Sondern direkt im Unternehmen, bei Einzelkämpfer, beim kleinen Start-up (ok, ich nehme mal, er meint genau das, siehe Zitat):

Wir alle wissen: Es gibt Menschen, die haben einfach “Talent”. Die schreiben einfach etwas und das wird gut. Aber was machen wir, wenn das Talent nicht vorhanden ist? Wenn wir im Unternehmen niemanden vorfinden, der das kann – also egal, ob wir selbst im Unternehmen arbeiten oder auch ein Unternehmen beraten? Klar, wenn man 50 Millionen Euro zur Verfügung hat, lässt man jemanden einen Base-Jump aus der Stratossphäre machen. Aber so viel Budget hat (leider) kaum jemand. Was machen wir, wenn wir gerade erst anfangen? An welchen Kriterien machen man “Qualität” fest? Denn was “geil” ist, mögen vielleicht unterschiedliche Zielgruppen unterschiedlich beurteilen?

An den beiden fett gedruckten Fragen hänge ich. Wegen der Selbstverständlichkeit der Antwort – für mich. Und der penetranten Nicht-Umsetzung – bei Unternehmen.

Also, Nummer 1: Was machen wir, wenn wir gerade erst anfangen?

Die Finger von der Tastatur lassen! Hinsetzen, Stift und Papier nehmen. Und dann: überlegen. Intensiv und lange, bitte. Dankeschön. Sich Zeit nehmen. Die Zielgruppe angucken. Eingrenzen, wie eben diese Personen denken, leben, arbeiten, Geld ausgeben, einsparen. Sei die Zielgruppe!

Dürfte nicht schwerfallen, wenn Zielgruppeneigenschaften und eigene Kerngebiete ziemlich deckungsgleich sind. Fällt dann schwer, wenn der/die Unternehmer schon länger in ihrer Rolle stecken- und sich kaum noch auf Kundensicht einstellen können. Was dann hilft? Mal eben auf Kundenniveau runter. Wenn Nestlé wüsste, was da teilweise in Facebookgruppen besprochen wird – die Marketingabteilung hätte allerhand mehr zu tun!

Struktur soll auch helfen, heißt es. Also:

  • Welche Informationen gehören zur Basis und müssen immer/für alle/jederzeit/vollständig verfügbar sein?
    Beispiel: Produktbeschreibung, AGB, Impressum, Firmenbeschreibung, Personenprofil, Produktportfolio
  • Welche Informationen sind hilfreiche Ergänzungen/nette Hinweise/Hilfestellungen/Werbeangebote/…?
    Beispiel: F&A, Videoerklärungen, Bildmaterial, Galerien, Erfahrungsberichte

Als Kunde will ich – möglichst – auf einen Blick sehen:

  1. WAS gibt es hier für mich?
  2. WARUM sollte ich das brauchen können/dürfen/müssen?
  3. WO und WIE bekomme ich das?
  4. WIEVIEL muss ich dafür hinlegen?
  5. WER steckt hinter dem Angebot und kann ich dem Unternehmen vertrauen?

Klassisch: Das eigene Angebot mal einem Bekannten vorlegen. Branchenfremde (Ein-)Sichten sind immer hilfreich. Und geben meistens noch Input für weiteren Content.

Modern: Einfach mal die Kunden fragen. Was hättens denn gern, darfs etwas mehr sein? Was guckt ihr so und wie, wo lest ihr uns, wann und wo bestellt/ordert/bucht ihr?

Nummer 2: An welchen Kriterien macht man „Qualität“ fest?

Textaufbau, Rechtschreibung & Grammatik, Vollständigkeit der Sätze (und Gedanken …).

Welche typischen Bedürfnisse gibt es, die man mit geilem Content

Was mache ich als Kunde mit so einem Satz? Im Geiste höflich weiterführen. Oder die drei notwendigen […] ergänzen. Oder ignorieren. Oder entnervt wegklicken, weil mich die Nicht-Wertschätzung ärgert. Denn nicht beendete Sätze zeugen von Nachlässigkeit, sind keine sauber durchdachten Inhalte, sind nicht geil. Gleiche Kategorie: Tippfehler, Satzfehlstellungen, Kommata mit/ohne Gießkanne verteilen.

Missglückler Versuch - direkte Ansprache Ergänzung um 14:42 11/06/2014: War gerade in der Post. Wie treffend. Ein Beispiel zur Unachtsamkeit.

Ich bin übrigens kein Germanist, also vergleichsweise moderat. Inhaltsfehler sind menschlich (und notwendig!), Grammatik und Rechtschreibung sind Pflicht, keine Kür.

Ausnahme: Es gibt sie, die Stilmittel. Diese Brüche im Lesefluss, diese besonders gelungenen Textkunststücke, bei denen das Hirn raucht. Klar, die sind schön. Germanisten erfreuen sich dran. Höchst selten auf Einsteigerniveau verfasst, höchst selten vom Unternehmer nebenan. Meistens und problemlos vom Profi – oder wenn jemand schon lange im Geschäft ist. Das blöde daran: Stilmittel und Wortkreationen fallen selten auf fruchtbaren Boden. Nur bei ganz speziellen Zielpersonen werden kunstvolle Wortkreationen beachtet. Wenn die Zielgruppe (beispielsweise, lasst mich in der Klischeeschublade bleiben!) weiß, männlich, zwischen 18 und 25 Jahren und Handwerker ist, sollte auch die Sprache entsprechend sein. Klar, strukturiert, lösungsorientiert. Stilblüten und kunstvolle Umschreibungen? Bitte nicht!

Für Rechtschreibung & Grammatik lässt sich neben Software und diverser Online-Dienste auch schlicht ein Lektor engagieren. Die machen auch kleine Aufträge. Muss nicht immer das große Buchprojekt sein. Auch nette, kleine Webseiten oder Broschüren werden gern bearbeitet. Und kosten nicht die Welt. Ist jedenfalls billiger, als die immergleichmitRechtschreibfehlern ausgestattete Broschüre, die im gesamten Landkreis ausliegt. Oder die Nicht-Käufer, die wegen Fehlern im Angebotstext den Vertrauensvorschuss für die hübsche funktionale Webseite streichen und das Weite suchen.

Und außerdem: strukturierte Textflüsse, ergänzende Medienformate, exklusives, neues, interessantes, wichtiges … Sie kennen das.

Ein Trugschluss für alle, die bis hierher gekommen sind

Generell, ohne Zeit & Budget, geile Inhalte produzieren zu können/wollen/müssen.

Also, klar geht das. Virale Spots machen die Runde – vom Hobbyfilmer binnen Minuten produziert und ins Netz gepackt. Irgendwer fands geil und teilte. Und teilte. Und teilte. Endlosschleife. Millionenklicks. Super geil. Und der sprichwörtliche Lottogewinn ist ja auch quasi für alle greifbar.

Nicht.

Für die Realisten: Es ist harte Arbeit. Wenn das eigene Produkt schon getestet, geprüft, mehrfach verbessert, verändert, der Zielgruppe präsentiert, den Kollegen vorgeführt, der Konkurrenz unter die Nase gehalten wurde – was soll bei der Beschreibung da anders laufen? WARUM sollte geiler Content weniger Arbeit machen – als das eigentliche Produkt, die Dienstleistung, die Marke?

Die These am Schluss: je spezieller das Produkt, desto einfacher die Themenfindung, desto geiler die möglichen Inhalte.

 

Sabrina

Texter halt. Berät, konzipiert und schreibt Inhalte rund ums Web. Arbeitet als Ghostwriter in Ihrem Namen: Blogs, Fachartikel, E-Books & Bücher.

Das könnte Dich auch interessieren...

1 Antwort

  1. 2014/06/12

    […] Sabrina Sailer: Struktur vor geil – ein Blogparadenbeitrag […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.